Meine Wenigkeit

Nun Leidl, im Vorpost hatte ich bereits angekündigt, meine Wenigkeit ein wenig besser zu beschreiben. Jetzt ist es soweit:

Es war einmal im Jahre 1988, irgendwann in den späten Sommertagen: Theresia, eine junge ausdauernde Mutter in einem Alter von 36 Jahren trug etwas wummerndes in sich herum, was sich nach einem heranwachsenden Box-Star anfühlte. Eine Blähung durch die Mittags verspeiste Zwiebel erschien in diesem Fall kategorisch ausgeschlossen.

Als ich später bereit war, in die lichtdurchflutete Manege zu treten, löste ich zu einer von mir nicht angekündigten Zeit bei Mutti den vorprogrammierten Blasensprung aus, es war schließlich auch 5 vor 12. Wenn man es genau nimmt, war es nach europäischer Zeit kurz vor Mitternacht und somit auch allerhöchste Zeit.

Im Krankenhaus Benediktbeuern entschieden sich meine Eltern dafür, dass ich einmal die Alpamare-Rutsche nehmen darf.
Quasi die eine Rutschbahn mit dem Geschwindigkeitsschub nach unten, gefolgt von einem Looping. G-Kräfte mal nicht mitberechnet 😉

Eine zweite zur Hilfe geeilte Hebamme fing mich rechtzeitig inmitten der Luft auf. Noch ehe der Heldensprung, durch den in der Rutschbahn schlussendlich integriertem „Kicker“, höher ausgefallen wäre.

Endlich angekommen, lag ich da und habe mich in den mich tragenden Armen eingekuschelt, einmal bei Mama und dann bei Papa. Dann gings wieder los, Alpamare Rutsche 2: Viele Hände der außenstehenden Fans hievten mich nach oben und unten, so wie ein Flugzeug, dem der Sprit ausgeht und vehement versucht wird, den Motor nochmal anzuschmeißen um nicht zu viel an Höhe zu verlieren. Zum Schluss durfte ich dahin, wo ich hin wollte: Endlich zufrieden und grinsend an der Mutterbrust nuckeln. Den Mienen anderer zu entnehmen, mussten sich alle gefreut haben, dass da ein Bengel rausgeschossen kam.

Mit jedem geschafften Tag entwickelte sich eine heranwachsende Persönlichkeit.

Der kleine Michael beim Planschen

Klein Michael sprintet durch die Welt aber reagiert nicht auf die Rufe seiner Eltern. Das stimmt ausnahmsweise, denn ich bin beidseitig taub geboren. Das wurde irgendwann später festgestellt, also musste Klein Michael Hörgeräte tragen, so in etwa bis zum achten Lebensjahr. Denn da passierte etwas, mit dem keiner gerechnet hat: Auf einem Gardasee-Trip nahmen Windpocken mir mein Restgehör, letztendlich halfen mir auch die Hörgeräte nicht mehr.

Meine Eltern waren sehr engagiert und auf Zack hatten beide eine vielversprechende Weiterentwicklung ausfindig machen können. Also ab in die UNI Regensburg. Dass ich zu dem Zeitpunkt die Schule schwänzen konnte, fand ich echt genial und vor allem sehr befreiend! 😀

Ich kann mich noch gut erinnern, ich lag da auf dem Krankenhausbett. Für mich war das ein großer und erwartungsvoller Schritt (in die Zukunft). Zuvor hatte man mir die Haare vom Kopf rasiert und zudem noch poliert. Jedenfalls wurde ich im Krankenhaus rumkutschiert, am Ende landete ich in einem Boxenstopp-Raum. Ich kam mir vor wie Ralf Schuhmacher der von hübschen Ärzte-Assistentinnen umgeben ist, die ihm zulächeln und ihn am Kopf streicheln. Nach kurzer Zeit war alles verschwommen und schwups war ich weg. Da hatte mir doch jemand glatt die Narkose injiziert. Derjenige der das getan hat, hätte mir wenigstens einen kleinen zeitlichen Vorschub geben können. Naja, auf jeden Fall konnte die OP beginnen.

Nach der OP

„Hurra!“, das war mein erstes Gefühl als ich mit dem Cochlear Implantat (auf einer Seite implantiert) wieder hören konnte. Ein unfassbar geiles Gefühl! Und das Beste: Damit kann ich um einiges besser verstehen oder Dinge hören, die ich vorher nicht hören konnte. Wenn im goldenen Herbst die Blätter rascheln, angetrieben vom pfeifenden Wind oder die Vögel zwitschern. Die klangvolle Musik ist jetzt ein purer Genuss in den Ohren oder besser gesagt im Mikrofon vom Cochlear Implantat. Folglich ist auch die Interaktion mit Mitmenschen beidseitig viel angenehmer geworden.

Das Leben vor dem CI war schon mega. Doch mit dem CI fängt mein eigentliches Leben an.

Während sich neue Synapsen zwischen Neuronen bildeten, steigerte ich meine Aktivitäten: Radlfahren, Radlhupfn mit selbstgebauten Sprungschanzen, Tischtennis und Keyboard spielen. Bis dann ein Computer in meinem Zimmer stand: 33 MHz mit ’nem fetten 14 Zoll Röhrenmonitor. Lemmings, Prince of Persia oder Tony & Friends in Kellogg’s Land auf Windows 3.1. Boah 😀 Wenn was schiefgegangen ist, Windows mit mehreren Disketten neuinstallieren, yes!

Im Zwei-Jahres-Turnus wurden die Kisten ausgetauscht, sodass irgendwann 66, 133, 266 und 333 MHz drinsteckten bis hin zu einem AMD Athlon (K7) mit 700 MHz und Speedboad Attack sowie Stronghold Crusader auf Windows 98. Dann kam irgendwann Windows XP und Counter-Strike. Sport habe ich natürlich auch gemacht: Mousesports 🙂 Auch die alten Hobbys waren nach wie vor gängig, eins kommt dazu: Batch-Scripte schreiben und programmieren mit Borland Delphi. Mittlerweile finde ich Delphi eine einfache aber furchtbare Art zu programmieren ^^.

Irgendwann erreicht jeder Mensch ein gewisses Alter, den Beginn der Pubertät. So auch Michael: Ist mir doch alles scheißegal, macht was ihr wollt! Ich leb mein Leben und bin reif genug…nach über 20 Jahren wird man feststellen, dass die Aussage rückblickend weit verfehlt wurde. Positiv jedoch ist, dass all die damaligen erlebten Ereignisse und die Erfahrungen sich heut wiederspiegeln und einen anderen oder, wie man es nimmt, einen fortgeschritteneren Charakter zeigen. Man kann alt werden wie ’ne Kuh und lernt doch immer noch dazu, so wie es ein altes Sprichwort sagt.

Mein Blick verrät alles 😀

In einem Alter von sechzehn habe ich mich zum Trotz zum Kfz-Mechatroniker ausbilden lassen, eigentlich wäre ich lieber von Anfang an mit M10 in die IT-Branche gerückt. Die Zipfel hatten damals eine Abitur verlangt. Es war aber gar nicht mal so schlecht, dass ich derweil den herumtanzenden Mechaniker auf der Schrott-Werkstatt gespielt habe, denn dadurch habe ich erstens eine Basis geschaffen und zweitens konnte meine Muskeln noch aufbauen, bevor diese durch die bevorstehende Umschulung zum IT’ler fast erschlaffen. Ach, so ganz untätig war ich in der Zeit gar nicht mal! Angespornt durch einen super mega supi supi Kumpel wurde das Fahrrad-Handling gesteigert. Wheelies durch das Dorf, hüpfen hier und da, Reifen da und da kaputt, Schlauch raus, neuer rein, Gebüsch-Sadomaso, geprellte Hände, alles schon dabei gewesen 😀

1 Stunde vor dem Heckensadomaso

Die in der Umschulung durchgeführten Praktika haben mir zudem dazu verholfen, im selben Betrieb einzusteigen, wo ich als Praktikant aufgehört habe. Bis heute bin ich mit Dingen konfrontiert, die jeder IT’ler als seinen Alltag bezeichnet. Ich auf jeden Fall finde die IT-Sparte sehr interessant und auch herausfordernd. Vor allem spannend in der Hinsicht, in der eh schon schnelllebigen IT-Welt aktuelle Veränderungen wahrzunehmen und entsprechend zu agieren.

Der Computer rechnet mit allem, nur nicht mit seinem Besitzer.

Dieter Hildebrandt

Heute würde ich mich als einen zufriedenen und glücklichen Menschen bezeichnen, der schon vieles aber noch nicht alles erlebt hat. Doch damit gebe ich mich zufrieden! Man kann eben nicht alles haben. Man sollte stolz auf das sein, was man hat und bis heute erreicht hat.
Ich würde mich gern nochmal jung wie 18 fühlen und in der Disco im Strobo- und Schwarzlicht tanzen, doch mit steigendem Alter heißt es nicht mehr „Jo, da geht noch eine Runde Augustiner“ sondern: „Der Michi ist beim Extremcouching eingepennt“. Wenn ich mich recht besinne, hab ich die Disco gar nicht mehr nötig, also völliger Quatsch mit Sauce, da noch daran zu denken.
Das Leben geht peu à peu weiter, inklusive Abenteuer, die noch auf mich warten. Vielleicht kommt eines Tages das Golfspielen dazu. Bevor ich Golf spiele, schieße ich hier und da noch paar Bälle breit oder werde so coole Sachen als Rentner erleben, die ich Euch nicht vorenthalten will. Dafür sorgt auch dieser Blog, so please, peoples, stay tuned 🙂

Hello, it’s me

Ich hoffe, Euch hat der „Hellooooo it’s me“-Artikel über meine Wenigkeit gefallen. Jedem steht es frei, in den Kommentaren eine Nachricht zu hinterlassen 😉

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.